The Cult of Pink!
05.Februar 2010

Also, es war doch gar nicht so schlimm, hat jedenfalls nicht wehgetan und diesmal hat auch niemand gelacht. So fürchterlich ist es also gar nicht, in Pink zu spielen. Oder Magenta oder Rosa. Oder wie die Farbe nun mal heißt.

Na gut, es könnte das einzige Trikot in unserer Vereinsgeschichte sein, in dem wir kein einziges Tor erzielt haben, aber da sollten wir mal beim Sportkameraden Kreienbaum nachhören, auf dessen Seite www.vfl-spielertrikots.de wir eindrucksvoll vor Augen geführt bekommen, dass der sympathischste Verein Deutschlands schon des Öfteren den Mut hatte, mit seinen Leibchen, nun ja, zu polarisieren. Da gab es ja nicht wenige Modelle, die nicht einmal das Vereinswappen auf der Brust hatten, wohl aber Werbung für spanischen Schnaps. Oder für Möbelgeschäfte, in den Sofas angeboten wurden, gegen die Gelsenkirchener Barock als Design-Avantgarde durchging.

Ich persönlich freue mich ja über jedes Trikot, bei dem man gleich weiß, welche Mannschaft darin spielt. Die textile Langeweile, die einem da bisweilen entgegengähnt ist ja gerade bei den großen Weltmarken geradezu frappierend. Bei unserem Ausweichtrikot weiß wenigstens jeder: Hurra, Hurra, die Bochumer sind da! Auch wenn die Farbe einen dazu verleitet, sich bei unseren Spielern darüber zu beschweren, dass im neugebauten Eigenheim der lange zugesagt dsl-Anschluss noch immer nicht gelegt worden ist.

Na gut, das pinke Trikot hat die Eigenheit, die Körperform des Trägers / der Trägerin an Stellen zu betonen, von denen er oder sie eigentlich gedacht hatte, es gebe sie gar nicht. So treten oberhalb der Gürtellinie wieder Schwellungen zutage, die man sich mühsam weggehungert und abtrainiert hatte. Außerdem wird die emotionale Gesamtverfassung des Menschen im Textil unfreiwillig deutlich. Ja, auch männliche Brustwarzen können versuchen durch den Stoff zu entkommen, und hier tun sie es besonders hartnäckig. Dass ich, wie viele andere, stets ein wenig erregt bin, wenn ich ein Trikot meiner Mannschaft anziehe, ist in diesem Ding nun wirklich nicht zu verleugnen.

Neulich bekam meine Frau übrigens das (natürlich pinke) Trikot eines VfL-Spielers geschenkt, das noch den Odem des Matches (welches allerdings verloren ging) atmete. Das klingt ein bisschen unanständig, hat aber nichts mit Schweiß-Fetischismus oder Swinger-Clubs zu tun. Jedenfalls bin ich im Swinger-Club noch keinem VfL-Spieler begegnet. Jetzt hat meine Frau auch endlich ein Leibchen, das sie tragen kann, wenn die Kids und ich sie dazu verdonnern, sich fußballerisch fortzubilden, und um es auch ohne Nasenklammer tragen zu können, hat sie es erstmal in die Waschmaschine gesteckt. Das aber hat einen Fanatiker in unserem Bekanntenkreis entsetzt: „Du hast ein getragenes Trikot gewaschen! Bist du irre? Da war sein Schweiß drin! Seine DNS! Da ist der Wissenschaft wertvolles Material unwiederbringlich verloren gegangen!“ Es gibt Momente, da zweifelt man an der eigenen Menschenkenntnis und fragt sich, wie man jahrelang mit so jemandem befreundet sein konnte, ohne etwas zu ahnen. Na gut, ich habe mal Jupp Tenhagen am durchgeschwitzten Shirt berührt und mir danach drei Tage die Hand nicht gewaschen. Aber ich war elf!

Gespannt dürfen wir sein, welche Farbe uns beim nächsten Ausweichtrikot erwartet. Vielleicht mal ein zackiges Olivgrün? Aber dann würden wahrscheinlich einige ältere Herren auf der Haupttribüne reflexartig salutieren, und das gibt dann wieder schlechte Presse. Dann spielen wir eben so lange in Pink, bis es Kult wird.