Habe ich eigentlich jemals erwähnt, dass sich bei uns zu Hause tatsächlich alles um Fußball dreht? Zu meinen persönlichen Highlights gehört eine Nachricht des Thronfolgers auf meiner Mailbox, die besagt, er habe gerade in einer lehrreichen Kindersendung namens „Logo“ gehört, dass mal ein Spieler vor der Ausführung eines Elfers gegen seine Mannschaft so laut Winde habe fahren lassen, dass der Schütze versemmelte!
Anstatt sich über dieses Weichei kaputt zu lachen, habe aber der Schiedsrichter dem Pupser die gelbe Karte gezeigt und den Strafstoß wiederholen lassen. Beim zweiten Mal beulte der Ball dann das Netz. Wahrscheinlich hatte aus der verteidigenden Mannschaft keiner mehr einen biologischen Pfeil im Köcher.
Furzen ist dadurch bei uns zu Hause salonfähig geworden. Vattern tut es natürlich nur heimlich, beziehungsweise versteckt das verräterische Geräusch in einem kurzen, aber lauten Husten. Das Anheben der Arschbacke während des Mittagessens, wie es Oppa noch ungeniert machte, kann man sich heute nicht mehr leisten, da hilft es auch nicht, wenn man behauptet, das sei eine alte Ruhrpott-Tradition und früher gesellschaftlich völlig akzeptiert.
Die Kinder jedenfalls pupsen fröhlich vor sich hin und hoffen, damit irgendwann mal ein wichtiges Spiel entscheiden zu können. Sagen wir mal, wir führen in der neunundachtzigsten Minute einsnull gegen die Bayern, durch ein Tor von Philipp Bönig, und die Bazen kriegen den vom DFB in diesen Fällen zwingend vorgeschriebenen Elfer geschenkt. Der Schiri, den wir vor dem Spiel darüber unterrichtet haben, dass wir nicht nur wissen, wo sein Auto steht, sondern auch wo er wohnt und in welchen Darkrooms er verkehrt, sucht verzweifelt nach einem Grund, den Ausgleich zu verhindern, Ribery läuft an und in Block B heben zwei Minderjährige den Popo. Obwohl – das wird nicht reichen. Wahrscheinlich müsste sich schon die ganze Ostkurve mit dem Rücken zum Spielfeld aufbauen und sich leicht vorbeugen, um dann…. Ich meine, genug Flüssighefe ist doch wohl vorher verkostet worden, oder?
Das ist natürlich sehr unappetitlich. Aber bei weitem nicht so unappetitlich wie Niederlagen. Da kann man dann nur von Glück sagen, wenn auch bittere Spiele wie das in Bremen einzelne Anhänger zu humoristischen Höhenflügen animieren. Noch sieben Spiele und vier Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz, aber für manchen ist der Abstieg bereits endgültig (!) besiegelt. Dagegen waren Waldorf und Stattler Power-Motivatoren. Kabarett, das sich als Forumsbeitrag tarnt.
Wir haben noch genügend Asse im Ärmel. Es geht nur darum, wann wir sie einsetzen. Als der Zweitgeborene am letzten Sonntag beim Mittagessen unter frechem Gekicher knallend einen streichen ließ, wies sein älterer Bruder ihn streng zurecht: „Heb dir so was fürs Stadion auf!“