Nur dabei statt mittendrin
07.Mai 2010

Letztes Wochenende war ich mal wieder nur dabei statt mittendrin. Überall, wo ich nicht war, war es interessanter. Ursprünglich hatte ich ja mit zwo Kindern und 37 anderen Verrückten um 08:15 ab Düsseldorf nach München fliegen wollen, um, frisch dem Abstieg entronnen, bei makellosem Maienwetter im Riesenbagel zu Fröttmaning das letzte Auswärtsspiel der Saison zu verfolgen. Das war der Plan letztes Jahr im September gewesen.

Einige Trainer später hatte ich einen Flug stornieren und die beiden anderen umbuchen müssen, da der Thronfolger ausgerechnet an diesem ersten Mai seine verpflichtende Kommunionfahrt zu absolvieren hatte. Da ich ihn nicht schon gegen sechs allein an einer Straßenecke zurücklassen konnte, wo die anderen Kinder sich erst drei Stunden später einfinden würden, musste ich auf den Flieger um zehn umsteigen.

Alles lief reibungslos. Man könnte auch sagen: langweilig. Scotty und die anderen hockten in der Frühmaschine, nuckelten an einem Petit Dejeuner d’Alcohol und machten der Flugbegleiterin jede Menge Angebote, die diese aber sehr wohl ablehnen konnte. Dann durften plötzlich alle wieder aussteigen, weil die Bordelektronik sich unter diesen Umständen weigerte, zu funktionieren. Mit zweistündiger Verspätung hob der Flieger dann doch ab – gerade mal fünf Minuten vor jenem, in dem der Zweitgeborene den Druckausgleich in seinen Ohren herzustellen suchte, indem er seine Finger in die Nasenlöcher steckte. Und zwar in Papas.

Der rief kurz nach der Landung die anderen an, die, vom strapaziösen Fünfzig-Minuten-Flug geschlaucht, erstmal in einen Biergarten am Flughafen eingefallen waren – wo sie prompt in einen katholischen Gottesdienst gerieten. Im Biergarten! Die Katholen sind ja mittlerweile vor nix fies, wenn es darum geht, ihr Image aufzupolieren.

Zum Mittagessen trafen wir uns alle am Hauptbahnhof. Scotty hatte dem Zweitgeborenen drei wunderschöne Steine mitgebracht, in welche die Natur Zeichen eingraviert hatte, die tatsächlich die Buchstaben V, f und L bildeten. Na gut, die Natur war in diesem Fall einsfünfundachtzig gewesen, kämpfte mit ein wenig Übergewicht, konnte aber ganz passabel ein Spitzmesser führen. Vattern bescherte dieses Geschenk einen Verdauungsspaziergang zum Hotel, um die Steine dort zu deponieren. Nur sehr unschuldige Menschen können darauf kommen, einem kurz vor einem Bundesligaspiel Wurfgeschosse zu schenken.

Zum Stadion gelangten wir in einer rollenden Sauna. Rund um den Plastiktempel herum mussten wir feststellen, dass wir von überdurchschnittlich vielen freundlichen Menschen umgeben waren. Es war fast unangenehm. Einer verstieg sich sogar zu der Ermunterung, er gönne uns die drei Punkte, so lange Schalke nur verliere. So etwas sagt sich allerdings sehr leicht, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass es eintritt, etwa so hoch liegt wie jene, im Bochumer Stadtpark auf Öl zu stoßen.

Im Stadion saßen wir genau bei den armen Teufeln, die dieses alberne T-Zeichen bilden. Interessanterweise hatten hier alle sehr guten Mobilempfang – nur die, die einen Vertrag mit der Magenta-Firma hatten, blieben netzlos. Kein Witz!

Nach dem Spiel der obligatorische Abstecher ins Stadion an der Schleißheimer Straße, wo ich allerdings schon früh die Segel strich. Natürlich ZU früh. Auf dem Rückflug kursierten diverse Geschichten darüber, wie es zum dem Trikottausch mit der vollbusiger Sechz’gerin kam, wie Scottys Kamera zu Bruch ging und wobei er sich die beiden Wunden am Schienbein zugezogen hatte. Und dann war da noch irgendwas mit dem Auto von Uli Hoeneß, aber auch das ist nicht verbrieft. Ich war eben diesmal nur dabei statt mittendrin.