Letztes Wochenende hatten wir mal wieder eine außerweltliche Erfahrung, getreu dem alten Spruch: Sehen wir uns nicht in dieser Welt, sehen wir uns in Bielefeld. Ja, die Sentenz hat einen kilometerlangen Bart, aber so kurz nach dem Heimgang von Peter Alexander machen mich sogar Graf-Bobby-Witze melancholisch. Wie der, wo Graf Bobby erfährt, dass in München jede Stunde ein Fußgänger überfahren wird. Erschüttert meint er: Wie der das nur aushält!
Meine Erwartungen an mein erstes Trainingslager waren hoch: betrunkene Spieler, die auf den Zimmern in Anwesenheit leichtbekleideter Damen um Unsummen zocken. Mindestens.
Wenn man beruflich viel unterwegs ist, gehen einem einige Dinge immer wieder ab. Die Heimat ist ein fernes Land, und dir fehlt vor allem deine bevorzugte Biersorte. Manchmal aber kriegt man die Heimat buchstäblich hinterhergetragen.
Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo dir bei aller Professionalität keine lustigen Geschichten über Fußball mehr einfallen. Ist vielleicht auch nicht nötig, den Rest der Welt kann auch zum Lachen sein. Die Vorweihnachtszeit zum Beispiel ist ein gefundenes Fressen für Humoristen.
Klar, die Kinder müssen es mal wieder richten. Wenn der große Verein, dem du seit dem achten Lebensjahr anhängst, sich so knauserig zeigt mit spielerischer Qualität, dass man sich fragt, ob das noch Fußball ist oder schon etwas, für das noch niemand ein Wort erfunden hat, dann tut es gut, am Rande eines Kunstrasenfeldes zu stehen und einem Haufen junger Hunde zuzusehen, während es einem in den Kaffee regnet.
Einer der schönsten Aspekte des Fußballs ist ja, dass er Brücken baut. Geht es um Fußball kommt man schnell ins Gespräch. Ich war mal bei einer dänischen Deutsch-Lehrerin in Kopenhagen zum Essen eingeladen und ihr deutlich älterer, kettenrauchender, rasselhustender Mann sprach so wenig Deutsch oder Englisch wie ich Dänisch. Nach dem fischreichen Essen verzog sich Fader Hoste ins Wohnzimmer, angeblich, wie seine Frau behauptete, um Nachrichten zu schauen. Das ist ja immer wichtig und auch in so einer Situation nicht nur gesellschaftlich akzeptiert, sondern es fördert geradezu das Sozialprestige.
Nach diesem Sommer, der einen mal wieder fragen ließ, wo verdammt noch mal die globale Erwärmung bleibt, wenn man sie braucht, hatten wir eine Extraportion Sonne nötig. In den Herbstferien verschlug es uns also nach Spanien, genauer gesagt nach Alicante, wo wir am Strand bereits am zweiten Tag ein niederländisches Ehepaar kennenlernten, das auf unsere Herkunftsangabe „Bochum“ wie aus einem Munde antwortete: „Ah, VfL!“ Nur falls jemand mal fragt, weshalb man diese Stadt außerhalb von Deutschland überhaupt kennt.
Barrack Obama ist VfL-Fan. Glaubt ihr nicht? Ich kann es beweisen.
Zwei Spiele des VfL drohte ich innerhalb einer Woche zu verpassen, mehr als in den letzten drei Jahren zusammen. Zum Glück gibt es das Internet und seine halblegalen bis völlig gesetzwidrigen Möglichkeiten, sich Informationen zu verschaffen, und so ließ ich mich am Morgen des 18. September in einer Bilderbuch-Desperate-Housewives-Gegend auf Long Island um kurz vor sieben Ortszeit von meinem Telefon wecken, nahm einen Laptop zu mir ins Bett und suchte eine Seite auf, deren Adresse hier nichts zur Sache tut, die aber, so viel sei gesagt, auf .ru endete.
Das Spiel in Oberhausen werde ich leider verpassen („Du Glückspilz!“, kippt meine Frau einen frischen Kübel Spott über mich aus), weil ich eine lange geplante Reise ins Land der Riesensteaks antrete. Schon jetzt steigen Gefühle aus meiner Kindheit in mir hoch.
Manchmal muss man da hin gehen, wo Andy Möller nie war, nämlich da, wo es wehtut. Bevor wieder einige unken: Damit ist nicht ein leitendes Gremium unseres Lieblingsvereins gemeint, sondern eine Musikveranstaltung, zu der man eigentlich nur gehen würde, wenn man es bezahlt kriegte.
Es ist leider immer noch so, dass sich viele Menschen in meinem Umfeld weigern, ihr Leben nach dem Rahmenterminplan der dfl zu richten. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich Scotty jenseits des Großen Wassers in den ehemaligen britischen Kolonien herumtreibt, während sich unser Lieblingsverein von einem Drittligisten das Fußballspielen beibringen lässt?
Letztes Wochenende war ich mal wieder nur dabei statt mittendrin. Überall, wo ich nicht war, war es interessanter. Ursprünglich hatte ich ja mit zwo Kindern und 37 anderen Verrückten um 08:15 ab Düsseldorf nach München fliegen wollen, um, frisch dem Abstieg entronnen, bei makellosem Maienwetter im Riesenbagel zu Fröttmaning das letzte Auswärtsspiel der Saison zu verfolgen. Das war der Plan letztes Jahr im September gewesen.
Schnee-Engel und Filzball
03.Februar 2012
Vorher schon an nachher denken
19.Dezember 2011
Mein Wunschzettel
09.Dezember 2011
Nicht witzig. Nur komisch.
02.Dezember 2011
Nein, ich habe keine Bayernkarten!
11.November 2011
Letzte Hoffnung Würfelketchup
28.Oktober 2011
Bier und Mäuse
23.September 2011
Ich hatte einen Traum
16.September 2011
I want to believe!
04.August 2011
Sommerpause: Frauen, Freaks und Vögel
21.Juli 2011
Nette Leute
24.Mai 2011
Ein Traum von Malte
13.Mai 2011
Spieltaganalyse
28.April 2011
Tanztheater VfL
08.April 2011
Rasselbande auf Klassenfahrt
18.März 2011
Schau mir in den Rachen, Kleine!
04.März 2011
Nicht in dieser Welt
17.Februar 2011
Mein erstes Trainingslager
26.Januar 2011
Wir sind überall
10.Dezember 2010
Ein frierender Mann im Schnee
26.November 2010
Von Kindern lernen
19.November 2010
Dänischer Raucher mit Bier in der Hand
04.November 2010
Venceremos!
22.Oktober 2010
Jetzt auch Obama!
01.Oktober 2010
Mir nach, Männer!
17.September 2010
Neu beim VfL: Howard Carpendale!
10.September 2010
So viele Maskottchen!
20.August 2010
Nur dabei statt mittendrin
07.Mai 2010
Reißen, nicht schneiden!
09.April 2010
Sehr unappetitlich
25.März 2010
Dazwischengrufen
12.März 2010
Glubb der Verwandten
26.Februar 2010
Wo man singt
12.Februar 2010
The Cult of Pink!
05.Februar 2010
Musse hamm!
22.Januar 2010
Von Kindern lernen
11.Dezember 2009
Da krisse Gefühle!
26.November 2009
Nicht fünf, nicht sieben, sondern sechs!
06.November 2009
Stadion-Couture
23.Oktober 2009
Nenn mich Ata!
16.September 2009
Die schöne Sonne
18.August 2009
In den Staub mit den Feinden Roms!
07.August 2009
Es ist nicht vorbei, bevor es vorbei ist
16.Mai 2009
Neues auf Bauer Dieckmanns Wiese
02.Mai 2009
Milchzähne für den Sieg
17.April 2009
Endlich wieder siebzehn!
03.April 2009
Bayernspiele
13.März 2009
Elfmeter für Bochum!
27.Februar 2009
Wie ich einmal gegen Sestak gewann
13.Februar 2009
Nachhilfe
31.Januar 2009
Kellergeister
12.Dezember 2008
Wer jetzt noch träumt ist ein Träumer
29.November 2008
Koller, der Hool
21.November 2008
Sie sind hinter mir her!
28.Oktober 2008
Wieder was verpasst
16.Oktober 2008
Ich sitze neben Jörg Wontorra und meine Hose riecht nach Pommes
07.Oktober 2008
Glückliche Kinder, glückliche Profis
26.September 2008
Männer auf verlorenem Posten: Der Superkellner
13.September 2008
Sophisticated Bochum
23.Mai 2008
Konjunktiv und Zukunft
16.Mai 2008
Schulterschluss
05.Mai 2008
Fiese Siege
25.April 2008
Heimspiel in München
11.April 2008
Gemischte Gefühle
28.März 2008
Mit Verstand!
14.März 2008
Abends heißt der Gekas Grothe
02.März 2008
Habbich, Habbinich
22.Februar 2008
1848 - Damit es wirklich jeder weiß
09.Februar 2008
Name the Baby!
24.November 2007
Kleiner Stadionknigge
04.November 2007
Sogar in New York...
19.Oktober 2007
Üben mit Nürnberg
30.September 2007
Nachwuchsförderung
20.September 2007
Who the **** is Alice?
20.August 2007