Die schöne Sonne
18.August 2009

Manchmal wäre man ganz gern wieder acht Jahre alt. Dann hätte man immer jemanden, der einen zu den Auswärtsspielen fährt, man könnte sich einfach an einem vollen Stadion und den merkwürdigen Fremdfans darin berauschen und darüber das Spiel vergessen und hätte auch nach einem null zu drei noch den Blick für das Schöne im Leben.

Ja, ich musste meinen sechsjährigen Sohn beneiden, als wir uns auf Schalke im Schneckentempo in den Stau auf der Kurt-Schumacher-Straße schoben und der Zweitgeborene sagte: "Guck mal Papa! Die Sonne sieht aber toll aus!" Tatsächlich: Dunkelorange wie frisch abgestochener Stahl hing der Glutball über Gelsenkirchen und schien warm auf zufriedene Königsblaue, die "Spitzenreiter! Spitzenreiter!" grölten.

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In den Staub mit den Feinden Roms!
07.August 2009

Wenn man im Sommerurlaub historische Romane liest, kann es schon mal sein, dass man ein unangebrachtes Gefallen an überholten Strategien zur Konfliktlösung findet. Will sagen: Nachdem ich mir Robert Harris’ „Imperium“ zu Gemüte geführt hatte, tagträumte ich bisweilen davon, unliebsame Zeitgenossen nur mit einem Strohhalm bewaffnet in ein mit Sand gefülltes Rund voller hungriger Raubtiere zu werfen. In den Staub mit den Feinden Roms!

Und Kandidaten für diese Art der Bestrafung gibt es in diesen Tagen genug – jedenfalls wenn man Anhänger des VfL Bochum ist. Wie viele „Experten“ haben sich nicht entblödet, uns glatt auf Platz 18 zu tippen! Wie originell!

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Es ist nicht vorbei, bevor es vorbei ist
16.Mai 2009

Die Dominas in Bochum sind derzeit praktisch arbeitslos. Wer Gefallen daran findet, sich organisiert quälen zu lassen, der geht einfach ins Stadion.

So darf man eine humorvolle Kolumne, noch dazu die letzte in dieser Saison, eigentlich nicht beginnen. Trotz allem muss man doch positiv nach vorne schauen, denn es ist nicht vorbei, bevor es vorbei ist, auch wenn es bedenklich stimmt, dass einem plötzlich Lenny-Kravitz-Zeilen durch den Kopf gehen.

Du weißt, dass die Angst dich am Arsch hat, wenn du schon vor dem Frühstück am Computer sitzt und nachschaust, wie viele Punkte man in den letzten Jahren brauchte, um nicht abzusteigen. Da ist ja immer von diesen ominösen vierzig Punkten die Rede, tatsächlich reichen aber meistens vierunddreißig bis sechsunddreißig. Solche Zahlenspiele sind entwürdigend, aber das ist Deutschland sucht den Superstar auch.

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Neues auf Bauer Dieckmanns Wiese
02.Mai 2009

Jetzt mal ehrlich: Wir haben schon ein verdammt geiles Stadion! Eines der wenigen, das noch mitten in einem Wohngebiet liegt und nicht draußen, vor den Toren der Stadt, wo man früher die Pestkranken und Aussätzigen abgeladen hat. Selbst in der letzten Reihe steht oder sitzt man praktisch hinter der Linie, näher dran jedenfalls als in manchen Arenen in der ersten. Unser Rasen ist so grün wie das Etikett unseres Lieblingsbieres, und die Stufen in der Ostkurve sind noch immer in der Modefarbe einer Zeit gestrichen, als Helmut Schmidt Bundeskanzler war. Seit fast einhundert Jahren wird auf Bauer Dieckmanns Wiese (wie die Älteren das Areal noch immer nennen, da der SuS Bochum das Gelände 1911 erstmals von besagtem Landwirt pachtete) Fußball gespielt, und zum Glück kommt niemand ernsthaft auf die Idee, irgendwas Neues bauen zu wollen.

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Milchzähne für den Sieg
17.April 2009

Es ist bekannt, dass viele Fans alles geben für den Erfolg ihres Vereins. Was zählt die eigene körperliche Unversehrtheit gegen drei Punkte im Abstiegskampf! Und wenn man als Vater alles richtig macht, dann begreifen das die Kinder schon im Grundschulalter.

Das Spiel gegen Hoffenheim hätten wir beinahe verpasst, da wir uns noch Samstagmorgen auf Norderney aufhielten und die Fähre wegen Niedrigwassers beinahe nicht hätte ablegen können.

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Endlich wieder siebzehn!
03.April 2009

Du kannst nicht immer siebzehn sein, sang Chris Roberts. Doch, sage ich, und zwar auf Auswärtsfahrten. Fünf Mann hoch waren wir beim Spiel in Gladbach, da aber meine Mitstreiter meinten, sie setzten sich nicht einem nervenaufreibenden Spiel im Abstiegskampf aus, ohne sich von alkoholhaltigem Bier befeuern oder gegebenenfalls trösten zu lassen, nutzten wir nicht das Angebot der vom blauweißesten Verein Deutschlands subventionierten Fanblock-Karten, sondern besorgten uns über einen Mittelsmann vor Ort Karten für die Haupttribüne.

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Bayernspiele
13.März 2009

Vor dem Spiel gegen Cottbus habe ich hier einen Elfmeter für den VfL herbeigeschrieben. Ich war schon immer von meinen zahlreichen Talenten überzeugt (oft als einziger), aber von dem Talent, die Zukunft zu verändern habe ich trotz jahrelangen Star-Trek-Konsums nichts geahnt. Und jetzt kommen die Bayern…

Selbsternannte Experten sitzen gern im Fernsehen und delirieren darüber, dass eine Mannschaft wie der VfL Bochum „normalerweise“ von den Bayern fünf, sechs Tore eingeschenkt bekommt und mit einer demütigenden Niederlage vom Feld geschickt wird. Wie so vieles, was in der Glotze so dahergeredet wird, ist auch das Unsinn. Beziehungsweise: Es kommt auf den Blickwinkel an.

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Elfmeter für Bochum!
27.Februar 2009

Neulich traf ich einen sehr alten Mann. Der hatte früher bei uns in der Nachbarschaft gewohnt. Schon damals war er sehr alt gewesen. Er hat viel mitgemacht in seinem bald zweihundertjährigen Leben: Kriege, Hungersnöte, das Werden und Vergehen ganzer Staatsformen. Ein echter Zeitzeuge. Der letzte noch lebende Mensch, der sich an einen Elfmeter für den VfL Bochum erinnern kann.

Schiris haben immer für Gesprächsstoff gesorgt, und manche Geschichten sind ja auch ganz witzig. Wie jene über den Mann auf Samoa, der kurz vor Spielende einen Elfer gab. Der Schütze lief an und trat gegen den Ball. Der Ball platzte, die Hülle blieb lieben, die Blase flog ins Tor. Da man keinen Ersatzball parat hatte, um den Strafstoß zu wiederholen, war guter Rat teuer. Schließlich gab der Referee – ein HALBES Tor! Das wohl einzige offizielle Spiel, das 0,5:0 ausging.

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Wie ich einmal gegen Sestak gewann
13.Februar 2009

Wenn man wegen des Tabellenstandes seines Vereins mal wieder vom Komasaufen übers Klebstoffschnüffeln direkt zum Heroinspritzen übergegangen ist, greift man nach allem, was einem im Leben an halbwegs Positivem unterkommt und klammert sich daran fest. Wie so oft naht dann Rettung aus Richtung der Kinder.

Habe ich schon erwähnt, dass die meinigen sich von morgens bis abends mit nichts anderem mehr beschäftigen als Fußball? Irgendwie stecken die den Tabellenstand etwas besser weg als ihr Vater, da in ihren jungen Jahren für sie noch alles voller Wunder ist, sogar ein 1:2 bei Null Grad gegen Köln. Na gut, als ich kürzlich den Zweitgeborenen etwas zu lange an einem Edding habe riechen sehen, zog kurz Sorge durch mich hindurch. Dann aber wandte er sich wieder zusammen mit seinem Bruder der aktuellen Droge zu, und die heißt „Fußballquartette“. Die werden mittlerweile ganz legal gedealt, weil die Drogenbeauftragte der Bundesregierung das Suchtpotential bisher nicht erkannt hat.

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Nachhilfe
31.Januar 2009

Kinder sind ja heute viel abgeklärter als früher. Wissen mehr, können mehr, dürfen mehr. Und beziehen ganz klar Position.

Mein älterer, der Thronfolger tritt für eine Aufstockung der Bundesliga auf mindestens 28 Vereine ein. Diese Zahl könne auch nach oben korrigiert werden, wenn der VfL am Ende einer Saison auf einem Abstiegsplatz stehe. Unsere Erstligazugehörigkeit wäre damit dauerhaft gesichert. Außerdem entfalle dann diese scheußliche Winterpause.

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Kellergeister
12.Dezember 2008

Du weißt, dass du in der Erziehung etwas richtig gemacht hast, wenn dein Verein mit dem Rücken zur Wand steht, deine Kinder aber trotzdem jeden Abend um achtzehn Uhr achtundvierzig „Unsere Heimat, unsere Liebe“ singen. Menschen, deren Vereine weiter vorne in der Tabelle stehen, bringen dafür kaum Verständnis auf, sprechen gar davon, dass man die Kinder traumatisiere, sie nicht vor den schmerzhaften Enttäuschungen, die ein Stadionbesuch in diesen Zeiten bereithalte, bewahre, und als mein Verein weiter vorne in er Tabelle stand, habe ich auch so über die Kellerkinder hinter uns geredet. Heute hoffe ich, dass meine Kinder an den Krisen, die wir durchleben, wachsen, und dass sie sich später, auf dem Arbeitsmarkt, als teamfähiger und psychisch belastbarer erweisen als etwa Anhänger des FC Bayern, die anfangen ihre Frauen zu verprügeln, wenn sie auf Platz drei abrutschen.

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Wer jetzt noch träumt ist ein Träumer
29.November 2008

Ich kenne mich mit dem Spiel nicht mehr aus. Wenn zwei über Fußball reden, kommen drei Meinungen heraus. Beim Fußball verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit des Gegners. Wir spielen am besten, wenn der Gegner nicht da ist. Unser größter Gegner sitzt in der eigenen Kabine. Fußballer sind schöpferische Wesen. Die erschließen sich ständig neue Gebiete, auf denen sie Fehler machen können. Alle Fußballer sind Sausäcke.

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Schnee-Engel und Filzball
03.Februar 2012

Vorher schon an nachher denken
19.Dezember 2011

Mein Wunschzettel
09.Dezember 2011

Nicht witzig. Nur komisch.
02.Dezember 2011

Nein, ich habe keine Bayernkarten!
11.November 2011

Letzte Hoffnung Würfelketchup
28.Oktober 2011

Bier und Mäuse
23.September 2011

Ich hatte einen Traum
16.September 2011

I want to believe!
04.August 2011

Sommerpause: Frauen, Freaks und Vögel
21.Juli 2011

Nette Leute
24.Mai 2011

Ein Traum von Malte
13.Mai 2011

Spieltaganalyse
28.April 2011

Tanztheater VfL
08.April 2011

Rasselbande auf Klassenfahrt
18.März 2011

Schau mir in den Rachen, Kleine!
04.März 2011

Nicht in dieser Welt
17.Februar 2011

Mein erstes Trainingslager
26.Januar 2011

Wir sind überall
10.Dezember 2010

Ein frierender Mann im Schnee
26.November 2010

Von Kindern lernen
19.November 2010

Dänischer Raucher mit Bier in der Hand
04.November 2010

Venceremos!
22.Oktober 2010

Jetzt auch Obama!
01.Oktober 2010

Mir nach, Männer!
17.September 2010

Neu beim VfL: Howard Carpendale!
10.September 2010

So viele Maskottchen!
20.August 2010

Nur dabei statt mittendrin
07.Mai 2010

Reißen, nicht schneiden!
09.April 2010

Sehr unappetitlich
25.März 2010

Dazwischengrufen
12.März 2010

Glubb der Verwandten
26.Februar 2010

Wo man singt
12.Februar 2010

The Cult of Pink!
05.Februar 2010

Musse hamm!
22.Januar 2010

Von Kindern lernen
11.Dezember 2009

Da krisse Gefühle!
26.November 2009

Nicht fünf, nicht sieben, sondern sechs!
06.November 2009

Stadion-Couture
23.Oktober 2009

Nenn mich Ata!
16.September 2009

Die schöne Sonne
18.August 2009

In den Staub mit den Feinden Roms!
07.August 2009

Es ist nicht vorbei, bevor es vorbei ist
16.Mai 2009

Neues auf Bauer Dieckmanns Wiese
02.Mai 2009

Milchzähne für den Sieg
17.April 2009

Endlich wieder siebzehn!
03.April 2009

Bayernspiele
13.März 2009

Elfmeter für Bochum!
27.Februar 2009

Wie ich einmal gegen Sestak gewann
13.Februar 2009

Nachhilfe
31.Januar 2009

Kellergeister
12.Dezember 2008

Wer jetzt noch träumt ist ein Träumer
29.November 2008

Koller, der Hool
21.November 2008

Sie sind hinter mir her!
28.Oktober 2008

Wieder was verpasst
16.Oktober 2008

Ich sitze neben Jörg Wontorra und meine Hose riecht nach Pommes
07.Oktober 2008

Glückliche Kinder, glückliche Profis
26.September 2008

Männer auf verlorenem Posten: Der Superkellner
13.September 2008

Sophisticated Bochum
23.Mai 2008

Konjunktiv und Zukunft
16.Mai 2008

Schulterschluss
05.Mai 2008

Fiese Siege
25.April 2008

Heimspiel in München
11.April 2008

Gemischte Gefühle
28.März 2008

Mit Verstand!
14.März 2008

Abends heißt der Gekas Grothe
02.März 2008

Habbich, Habbinich
22.Februar 2008

1848 - Damit es wirklich jeder weiß
09.Februar 2008

Name the Baby!
24.November 2007

Kleiner Stadionknigge
04.November 2007

Sogar in New York...
19.Oktober 2007

Üben mit Nürnberg
30.September 2007

Nachwuchsförderung
20.September 2007

Who the **** is Alice?
20.August 2007