Die Frage ist doch: Darf man den Familienurlaub unterbrechen, wenn der Verein ums Überleben kämpft? Die fußballferne, aber auch fußballduldende angeheiratete Mitbewohnerin ist skeptisch: „Ums Überleben? Am vierten Spieltag?“ – „Wir kämpfen immer ums Überleben! Weil die anderen uns fertig machen wollen, mit ihrem Geld und ihren teuren Legionären, vor allem aber mit diesem hektischen Tempofußball! Da müssen wir dagegenhalten, immer und überall!“ – „Also erstmal bist du fast drei Stunden bis zum Flughafen München unterwegs, dann hockst du eine Stunde am Flughafen, fliegst eine Stunde und stehst dann auf der A40 im Stau. Wegen eines Fußballspiels?“
Da meckert man jedes Jahr über die lange Sommerpause, dann kriegt man sie verkürzt – und das ist auch wieder nicht richtig. Der Nachwuchs mault: „Ach Papa, müssen wir wirklich so früh mit dieser blöden zweiten Liga anfangen?“ – „Wie redet ihr denn mit mir? Das heißt erstens nicht Ach, sondern Ey, Papa und zweitens sagt man Drecks- oder Schweineliga! Wer bringt euch dieses ganze Lecker-Deutsch bei?“ – „Die Mama.“ – „Wer?“ – „Deine Mitbewohnerin.“ – „Ach die!“
Was hätte das für ein lustiger Tag werden können! Schon der frühe Morgen hatte einiges im Petto: Gegen sieben Uhr stelle ich fest, dass siebzehn Eintrittskarten für das Spiel in Gladbach verschwunden sind. Ich gehe dieses Problem an wie die meisten in meinem Leben: Erst noch mal eine VfL-Kappe voll Schlaf, dann regelt sich das von alleine. Um neun Uhr sind die Karten immer noch weg. Ein Hauch von etwas, für das es kein Wort gibt, über das aber schon viele Filme gedreht wurden, die wegen ihrer dunklen Verzweiflung erst ab fünfundzwanzig zugelassen sein sollten, weht durch den Raum.
Denkt man darüber nach, den zehnjährigen Nachwuchs die Familienkutsche 130 Kilometer nach Hause steuern zu lassen, dann hat man ein nervenaufreibendes Auswärtsspiel gesehen.
Bei meinem Beruf werde ich ja gerne mal gefragt: Was machen Sie eigentlich tagsüber? Nun, da ich ein paar talentierte, mir völlig ergebene junge Menschen gefunden habe, die den ganzen Mist den ich verzapfe, für lau schreiben, liege ich natürlich hauptsächlich im Garten und sehe Amsel, Drossel, Fink und Star beim Kopulieren zu.
Eine auf die gesamte Restlebenszeit angelegte Zweierbeziehung (vulgo: Ehe) funktioniert ja vor allem dann, wenn man dem Partner Freiraum lässt. Das heißt zum Beispiel, dass die Eine sich an einem Montagabend mit zwei Freundinnen den 3-D-Film von Wim Wenders über die Tanztheaterlegende Pina Bausch ansieht, während der Andere sich mit Gleichgesinnten im Fußballkeller einen Zweitligakick zu Gemüte führt. Später am Abend resümiert man das Gesehene – und stellt bemerkenswerte Parallelen fest.
Wer glaubt, der Mensch, vor allem aber der Mann reife im Alter, schlage nicht mehr so über die Stränge und verzichtet auf übergroße Albernheiten zu Gunsten dezenter Zurückhaltung und Ernsthaftigkeit in Wort und Tat, der hat noch keine Auswärtsfahrt in einem Sonderzug mitgemacht. In diesem Fall legte das Ding am alten Bahnhof Hattingen ab, an Bord lauter Menschen, die sich in unterschiedlicher Weise um den Verein verdient machen und deshalb auch noch Freunde mitbringen durften.
Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte großartiger Entdeckungen und Erfindungen. Am Anfang war das Feuer, dann der Faustkeil, später die Fähigkeit, Metall zu verarbeiten, der Buchdruck, die Dampfmaschine, das Penicillin, die Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes und die Möglichkeit der Onlinereservierung von Fitnessclubstunden. Und während sich Dieter Normalbediener fragt, was das nächste große Ding sein könnte, ob Laserschwerter endlich Wirklichkeit werden, verständliche Bedienungsanleitungen oder sogar kompetente Gesprächspartner bei der Telekom-Hotline, bin ich seit letzter Woche einen Schritt weiter. Das neueste Kapitel im dicken Buch menschlicher Errungenschaften trägt den Titel: „Zahnspangen mit Vereinswappen“!
Letztes Wochenende hatten wir mal wieder eine außerweltliche Erfahrung, getreu dem alten Spruch: Sehen wir uns nicht in dieser Welt, sehen wir uns in Bielefeld. Ja, die Sentenz hat einen kilometerlangen Bart, aber so kurz nach dem Heimgang von Peter Alexander machen mich sogar Graf-Bobby-Witze melancholisch. Wie der, wo Graf Bobby erfährt, dass in München jede Stunde ein Fußgänger überfahren wird. Erschüttert meint er: Wie der das nur aushält!
Meine Erwartungen an mein erstes Trainingslager waren hoch: betrunkene Spieler, die auf den Zimmern in Anwesenheit leichtbekleideter Damen um Unsummen zocken. Mindestens.
Wenn man beruflich viel unterwegs ist, gehen einem einige Dinge immer wieder ab. Die Heimat ist ein fernes Land, und dir fehlt vor allem deine bevorzugte Biersorte. Manchmal aber kriegt man die Heimat buchstäblich hinterhergetragen.
Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo dir bei aller Professionalität keine lustigen Geschichten über Fußball mehr einfallen. Ist vielleicht auch nicht nötig, den Rest der Welt kann auch zum Lachen sein. Die Vorweihnachtszeit zum Beispiel ist ein gefundenes Fressen für Humoristen.
Schnee-Engel und Filzball
03.Februar 2012
Vorher schon an nachher denken
19.Dezember 2011
Mein Wunschzettel
09.Dezember 2011
Nicht witzig. Nur komisch.
02.Dezember 2011
Nein, ich habe keine Bayernkarten!
11.November 2011
Letzte Hoffnung Würfelketchup
28.Oktober 2011
Bier und Mäuse
23.September 2011
Ich hatte einen Traum
16.September 2011
I want to believe!
04.August 2011
Sommerpause: Frauen, Freaks und Vögel
21.Juli 2011
Nette Leute
24.Mai 2011
Ein Traum von Malte
13.Mai 2011
Spieltaganalyse
28.April 2011
Tanztheater VfL
08.April 2011
Rasselbande auf Klassenfahrt
18.März 2011
Schau mir in den Rachen, Kleine!
04.März 2011
Nicht in dieser Welt
17.Februar 2011
Mein erstes Trainingslager
26.Januar 2011
Wir sind überall
10.Dezember 2010
Ein frierender Mann im Schnee
26.November 2010
Von Kindern lernen
19.November 2010
Dänischer Raucher mit Bier in der Hand
04.November 2010
Venceremos!
22.Oktober 2010
Jetzt auch Obama!
01.Oktober 2010
Mir nach, Männer!
17.September 2010
Neu beim VfL: Howard Carpendale!
10.September 2010
So viele Maskottchen!
20.August 2010
Nur dabei statt mittendrin
07.Mai 2010
Reißen, nicht schneiden!
09.April 2010
Sehr unappetitlich
25.März 2010
Dazwischengrufen
12.März 2010
Glubb der Verwandten
26.Februar 2010
Wo man singt
12.Februar 2010
The Cult of Pink!
05.Februar 2010
Musse hamm!
22.Januar 2010
Von Kindern lernen
11.Dezember 2009
Da krisse Gefühle!
26.November 2009
Nicht fünf, nicht sieben, sondern sechs!
06.November 2009
Stadion-Couture
23.Oktober 2009
Nenn mich Ata!
16.September 2009
Die schöne Sonne
18.August 2009
In den Staub mit den Feinden Roms!
07.August 2009
Es ist nicht vorbei, bevor es vorbei ist
16.Mai 2009
Neues auf Bauer Dieckmanns Wiese
02.Mai 2009
Milchzähne für den Sieg
17.April 2009
Endlich wieder siebzehn!
03.April 2009
Bayernspiele
13.März 2009
Elfmeter für Bochum!
27.Februar 2009
Wie ich einmal gegen Sestak gewann
13.Februar 2009
Nachhilfe
31.Januar 2009
Kellergeister
12.Dezember 2008
Wer jetzt noch träumt ist ein Träumer
29.November 2008
Koller, der Hool
21.November 2008
Sie sind hinter mir her!
28.Oktober 2008
Wieder was verpasst
16.Oktober 2008
Ich sitze neben Jörg Wontorra und meine Hose riecht nach Pommes
07.Oktober 2008
Glückliche Kinder, glückliche Profis
26.September 2008
Männer auf verlorenem Posten: Der Superkellner
13.September 2008
Sophisticated Bochum
23.Mai 2008
Konjunktiv und Zukunft
16.Mai 2008
Schulterschluss
05.Mai 2008
Fiese Siege
25.April 2008
Heimspiel in München
11.April 2008
Gemischte Gefühle
28.März 2008
Mit Verstand!
14.März 2008
Abends heißt der Gekas Grothe
02.März 2008
Habbich, Habbinich
22.Februar 2008
1848 - Damit es wirklich jeder weiß
09.Februar 2008
Name the Baby!
24.November 2007
Kleiner Stadionknigge
04.November 2007
Sogar in New York...
19.Oktober 2007
Üben mit Nürnberg
30.September 2007
Nachwuchsförderung
20.September 2007
Who the **** is Alice?
20.August 2007